Der Weltenbauer [2015]

Nimmt auch das Leben seinen Lauf
So darf doch eines gelten,
Zerstörte Welten bau ich auf,
Erbauer ich von Welten…!…

Ist deine Welt kaputt, zerstört,
Und du glaubst, da geht nichts mehr,
Bleibst du jedoch nicht unerhört,
Von irgendwo kommt Hilfe her!

Vertraue einfach auf die Kraft
Des Guten, Schönen, Wahren,
Denn diese ist es, die es schafft
Dass Glück du kannst erfahren!

Glücklich sein im Hier und Jetzt
Das ist Erlösung im Alltag,
Wirst du übern Fluss gesetzt –
Wie’s wohl dann sein mag?

Sei getrost, auch dann mag gelten,
Und vertraue drauf:
Erbaust du wieder neue Welten
In dem Weltenlauf!…

* * *

 

Erwachsensein als vollzogene Selbstermächtigung zur Freiheit [2005]

Abhängigkeit ist die Angst vor Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Im Zwischenmenschlichen entsteht sie durch diverse Unterdrückungsmechanismen. Durch Sarkasmus, Nicht-Ernst-Nehmen, Verachtung, Ignoranz, Respektlosigkeit und ähnlichem. Voraussetzung dafür, dass ein Mensch durch diese verletzlich ist, setzt das Vorhandensein einer Entsprechung im Menschen selbst voraus. Anschaulich in dem Widerstreit von Ich und Egoität: „Mensch und Wolf leben einander zuleide…“ (Hesse, Steppenwolf).

Das Opfer fühlt sich klein und in Abhängigkeit gehalten. Die Angst des Unterdrückers besteht darin, das Opfer könnte ein gleichrangiger, ebenbürtiger Partner sein, d.h., wenn man sich ernst nähme, man eben auch mit gleicher Ernsthaftigkeit sich als ebenbürtig erweisen müsste.

Die Bündelung diverser Abhängigkeiten in einige wenige, deren existentiellste die eigene Selbstwertschätzung ist, kann die Funktion haben, aus einem Vielfrontenkrieg auszubrechen, um dadurch die zuvor dort gebundenen Kräfte für eine Verbesserung der Gesamtsituation freizusetzen.

Diese Abhängigkeiten sind dem Grunde nach die verschiedenen Variationen eines Grundthemas, des Narzissmus‘. Schlüsselt man das Gebot der Nächstenliebe auf, so kommt man zu der in diesem Zusammenhang sehr heilsam erscheinenden Formulierung: „Solange du nicht in der Lage bist, dich anzunehmen wie du bist und als solchen zu lieben, wirst du andere auch nur um deiner selbst willen lieben bzw. verehren, und zwar in dem Maße, wie du dich selbst zu lieben nicht in der Lage bist.“

Eine Umkehr auf diesem Weg wird erreicht, wenn man sich zunehmend aus der eigenen Peripherie ins eigene Zentrum stellt. Als Dreh- und Angelbegriff ist hier der Gedanke der Selbstermächtigung hilfreich. Zuerst gilt es, die möglicherweise erfahrene Unterdrückung dahingehend zu durchschauen, dass man selbst es ist, der das Werk früherer Unterdrücker durch Selbstrestriktionen und -Bezichtigungen fortführt. Hier stellt sich die Frage: Wie gehe ich mit dem Vermächtnis meiner Erziehung, bzw. Sozialisation um? Im Weiteren ebnet sich hieraus der Weg zur eigenen Freiheit. In diesem Sinne bedeutet Selbstermächtigung zeitgleich die Pflicht zur Selbstverantwortung, einhergehend mit dem Recht zur Selbstbestimmung.

Weitgehend vollzogen ist die Selbstermächtigung bei Ausbildung eines sicheren Urteilsvermögens, einer Souveränität, die allerdings nicht über jeden Zweifel erhaben ist, getragen von Selbstverantwortung, Charakterstärke und Integrität, einhergehend mit einem Verhalten, das die Tragweite und die Folgen seines Tuns und Lassens mit großer Sicherheit abschätzen kann. Die Möglichkeit der Entfaltung dieser Kräfte gründet in einer autonomen Wertewirklichkeit.

Die Selbstermächtigung ist insofern das Setzen des Standbeines und ermöglicht so erst die Freiheit als Spielraum im Sinne eines Spielbeines. Sie ist Schlüssel zu einer Ebenbürtigkeit sich selbst gegenüber, im Sinne eines Sich-Selbst-Ernst-Nehmens. Daraus folgt eine Treue zu sich selbst.

Zuversicht [Pfingsten 2014]

Tausend Tode gestorben –
Grund: menschliches Versagen!
Totaler Zusammenbruch,
Was soll ich hier noch sagen?

Doch gibt’s im freien Fall
immer noch nen Halt,
Ich nenne ihn hier mal
höhere Gewalt!

Es ist diese
Eine geheimnisvolle Kraft,
Die aus dem Zerstörten
Immer Neues schafft!

Es ist diese Gewalt
Der Geist den du riefst,
Als du verloren schienst
Und vor Erschöpfung schliefst!

Es ist dies ein Geist,
Der uns von allem heilt,
Solang man einfach nur
In seinem Sinn verweilt!

Er lässt uns Tode sterben,
Er führt uns durch den Tod,
Und wenn man restlos durch ist,
Vorbei ist alle Not!

Ein neuer Tag beginnt
Für uns’re Welt zu tagen,
Uns’re Seele singt,
Vorbei ist alles Klagen!

Gehüllt in Morgenröte
Erstrahlt geklärtes Licht,
Dieses gibt uns Kraft
Und neue Zuversicht!

* * *

Der Mord an sich [1997]

Durch meine Negativität habe ich mich an mir selbst, wie an meinen Mitmenschen vergangen.
Als Tyrann habe ich Opfer eingefordert, die an der Würde rühren, im Kampf  gegen die heraufbeschworenen Geister.
Ich quäle mich selbst und damit meine Welt – eine Welt voller Trübsal und Qual.  Ich dachte, ich hätte keine Wahl.
Die Augen ausgestochen, die vom eigenen Vermögen hätten zeugen können,  erdolcht den ach solange aufrecht erhaltenen Glauben.
Mein Leben ein Schlachtfeld voller Leichen, meine Heimat von der Pest verseucht…
Und nur, weil ich mich verleugne, mein Ich in Negation.
Gezündelt habe ich an dem Herzen, in dem ich das Feuer der Liebe entfachen wollte und meinen Schatz lebendig
begraben.
Nun irre ich in der Geisterstadt, doch die Erde meiner
Heimat ist verbrannt.
Nur mühsam fange ich an, wieder zu sehen…